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Historie

Die Geschichte des Tattoos

Die Geschichte des Tattoos geht zurück bis in die vorchristliche Zeit. Die Tätowierung entwickelte sich aus Körperbemalungen als Tarnung oder Abschreckung. Erste Belege findet man in Afrika, aber auch in Polynesien und Asien aus der Zeit um 500 v.Chr. Man kann aber davon ausgehen, daß es schon in älteren, untergegangenen Kulturen Tattoos gab, wie z.B. in der Hochkultur des alten Ägyptens.
Das Wort "Tattoo" entwickelte sich aus dem Begriff "Tatau" in Tahiti und bedeutet soviel wie "Bemalung".
Die Tattoo-Kultur entwickelte sich fast überall auf der Welt: bei den Ureinwohnern Nord- und Südamerikas, den Eskimos, in Afrika, Asien, Polynesien und Melanesien. In Europa waren es vor allem die Kelten, die Bemalungen und eventuell auch Tätowierungen trugen.
Während der Urahn des Gemäldes, die Höhlenmalerei, die Ereignisse im Leben eines Stammes oder Volkes darstellte, zeigte die Urform des Tattoos die Ereignisse im Leben eines einzelnen Menschen (und, je nach Kultur, das Leben seiner direkten Vorfahren).
Tätowiert wurde zu Anlässen wie Heirat, Schwangerschaft, Geburt, Krankheit, Trauer, bei Siegen oder Erfolgen,gesellschaftlichem Aufstieg oder Tod. Es waren meist religiöse, rituelle Gründe, aus denen tätowiert wurde. Das Ritual selbst war dann auch abhängig von Mondphasen oder Jahreszeiten.
Die Motive waren nicht gegenständlicher Art, sondern bestanden, je nach Kultur, aus Strichen, Punkten, geometrischen Mustern und Formen, die ganze Flächen und Körperteile bedeckten. Diese Motive haben sich seit Jahrhunderten bis heute nicht geändert, und damals wie heute haben sie dieselbe Bedeutung.
Im Pazifik tätowierte man die Lebensabschnitte in Mustern und Ornamenten, um die Götter über die eigene Person aufzuklären. Man tätowierte sogar noch auf dem Sterbebett und nach dem Tod, um dem Toten einen guten Platz im Himmel zu sichern. Bei den Maori wurden die Köpfe der Leichen abgetrennt und aufbewahrt, denn sie trugen die Lebensgeschichten des Toten und dessen Ahnen von bis zu 100 Generationen.
In Tibet und Indien tätowierte man bei Trauer, um mit dem körperlichen Schmerz den seelischen zu überwinden und um den Verstorbenen in Erinnerung zu behalten. Je nachTiefe der Trauer wurden auch Zähne ausgezogen, Haare ausgerissen, die Haut verbrannt und sogar Glieder abgetrennt.
In einigen Stämmen in Afrika versuchte man durch Tattoos in der Schwangerschaft das Geschlecht des Kindes und dessen Gesundheit zu beeinflussen und vor Dämonen zu schützen.Tattoos waren auch oft ein Talisman zum Schutz vor Krankheit und Katastrophen, für Reichtum, zur Kraftverleihung und zu Todesverachtung in Kriegen. Es gibt sie noch immer in der thailändischen Armee und bei den Roten Khmer.
Tattoos aus medizinischen Gründen gab es z.B. auf Samoa gegen Rheuma, in Afrika gegen Kopfschmerzen und in Verbindung mit Narbenschnitten zur Kräftigung des Immunsystems und als Impfung.
Gegenständliche Tattoomotive entwickelten sich zuerst in Asien. Dort wurden nur Reiche und hohe Beamte tätowiert, es war ein Zeichen von Rang.
Es entwickelten sich Schutzmotive. Japanische Feuerwehrmänner tragen z.B. einen Wasserdrachen, um sich vor Verbrennungen zu schützen. Melanesische Fischer tragen Delphintattoos zum Schutz vor Haien. Westliche Seefahrer wurden mit Tätowierungen auf ihren Reisen konfrontiert und brachten sie mit in ihre Heimat, meist ohne den kulturellen Hintergrund zu verstehen. Auch sie konnten Schutztätowierungen brauchen. Seeleute ließen sich z.B. Jesus am Kreuz auf den Rücken tätowieren, um sich vor Geißelung zu schützen.
In Europa wurden Tattoos dann im 19. Jhd. populär. Nach den Seeleuten waren es Artisten und Zirkusleute, die mit der Zurschaustellung der Tattoos Geld verdienten. So verbeitete sich diese Kunst zunächst in den unteren Gesellschaftsschichten, im Gefängnis und im Kneipenmilieu. So kommt es, daß man Tattoos bis heute mit Asozialen assoziiert.
Dabei sind Tattoos längst auch hier eine eigenständige Kunstform, die allerdings mit dem Träger vergeht, während Gemälde, Skulpturen etc. für die Ewigkeit gemacht werden.
Eine Tätowierung erweckt immer Interesse, sowohl Bewunderung als auch Abscheu. Oft werden Tätowierte noch in "Schubladen" gesteckt, wie "Schlampe" oder "Prolet". Der eigentliche Grund für eine Tätowierung ist der Ausdruck von Individualität, Unabhängigkeit und Selbstbewußtsein, manchmal auch Provokationswillen, Rebellion und Abenteuerlust.
Ein Tattoo ist immer eine Art von Kommunikation, auch ohne Sprüche wie "Born to fight" oder "I love Mom". Mit entsprechenden Bildern läßt sich Stärke und Mut ausdrücken, Sinn für Romantik, Musik oder Comics oder eine Gruppenzugehörigkeit wie "Hells Angels". In Asien gibt es Ganzkörpertattoos bei den Mitgliedern der Yakuza (Japan) und Triaden (China). Solche Embleme wird man nie wieder los und man verpflichtet sich damit zu ewiger Treue.
Auch mit tätowierten Markennamen, wie "Wrangler" oder den "Lacoste"-Krokodilen, drückt man seine Anerkennung dafür lebenslang aus.
Tattoos können eine erotische Verzierung sein, sowohl für Sado/Maso-Freunde in Verbindung mit Piercings, als auch für Jedermann als romantische Verzierung auf Brust oder Schulter. In Neuseeland und Samoa gibt es sogenannte Pussy-Tattoos im Schambereich.
Herzen mit Schriftzug erinnern an eine erste Liebe oder an die Liebe zur Mutter, Babybilder werden täuschend echt verewigt, oder man läßt sich Eheringe tätowieren wie Baywatch-Star Pamela Anderson.
Wie die Zirkusartisten gibt es noch heute einige wenige, die 100 Prozent der Haut tätowiert haben. Die berühmtesten sind Enigma, der Puzzlemann, der Leopardenmensch oder OMI, der Zebramann.
Viele Menschen lassen sich gern bestaunen und machen ihre Tattoos jedem zugänglich, was natürlich auch gut für den Künstler ist, so kann sein Werk einem größtmöglichen Publikum zugänglich gemacht werden. Andere Menschen zeigen nur einem ausgewählten Kreis ihre Tattoos, weil sie es als etwas ganz persönliches ansehen, obwohl die Bilder nicht unbedingt an den intimsten Stellen sind.
Manche Menschen wollen so sein wie ihre Idole, Musiker und Schauspieler, die wiederum Vorbild für die Jugend sein wollen: Cher, Depeche Mode, Henry Rollins, die Toten Hosen, Guns 'n' Roses, Johnny Depp oder Roseanne.
Sogar Franziska van Almsick trägt eine Schlange auf dem Bauch.
Weil Tattoos gerade in Mode sind, gibt es Aufkleber, die 4-5 Tage halten. Modern sind im Moment Motive wie Indianerschmuck, Oberarm- und Fußbänder, keltische Ornamente, Eidechsen, Drachen und Evergreens wie Blumen, Vögel, Herzen, Schmetterlinge, Kruzifixe, Skorpione oder Pin-ups.
Kurzzeittätowierungen sind nicht empfehlenswert. Selbst wenn der Tätowierer es tatsächlich schafft, die Farbe genau unter die zweite Hautschicht zu kriegen, wird es so verlaufen, daß man etwa drei Jahre ein schönes Tattoo trägt, das allerdings in den darauffolgenden Jahren mehr und mehr verschwindet bis zuletzt nur noch Fragmente übrig sind. Wenn man Pech hat, werden diese nie verschwinden. Ähnliches gilt für das Permanent Make-up, das kosmetische Tätowieren von Lidstrichen oder Augenbrauen.
Auch in der Medizin gewinnen Tattoos an Bedeutung. Narben kann man problemlos im Hautton nachtätowieren oder Organspender an entsprechender Stelle mit unsichtbarer Tinte kennzeichnen. Blutgruppentattoos gibt es bei Soldaten der amerikanischen und britischen Armee. Tierärzte bringen medizinische Informationen in den Ohren der Tiere an. In der Pathologie und Kriminalistik sind Tattoos ebenso wichtig wie Fingerabdrücke, Zähne und Narben.
Welche Technik des Tätowierens auch immer angewandt wird, es wird immer Farbe unter die Haut gebracht. Es gibt viele Amateurtechniken, diese reichen von der Nähnadel, mit der Tinte unter die Haut gestochen wird, bis zu umgebauten Rasierern oder elektrischen Zahnbürsten, an denen Stohhalme oder Kugeschreiberhülsen befestigt werden. Letzteres ist eine typische Methode aus Gefängnissen. Die Farbe wird dann aus Pflanzen oder Asche gewonnen, oder man verwendet einfach Tinte. Grundsätzlich sollte man keine großen Adern treffen, nicht zu tief stechen und keine Narben hinterlassen. Die Resultate bei Amateurarbeiten sind manchmal erstaunlich gut.
In anderen Kulturen ist auch die Technik eine andere. Die Eskimos färben Fäden und ziehen diese dann durch die Haut. Sie nähen damit flächendeckende Muster ein. In Afrika wird mit scharfen Steinen gearbeitet. In asiatischen Gebieten wird ein Beitel, eine Art Kamm mit Stiel, über die gespannte Haut gezogen und auf den Stiel geklopft. In Neuseeland und im Pazifikraum bis Samoa wird der Uhi benutzt, eine Art Hammer mit Nagel, mit dem die Farbe in die Haut gehämmert wird. In Japan und China wurde (und wird) ein Röhrchen verwendet, in dem eine lange Nadel auf und ab gestoßen wird. All diese alten, traditionellen Techniken sind sehr präzise und bringe größte Kunstwerke hervor.
Heute gibt es Tätowiermaschinen, die seit ihrer Erfindung vor etwa 100 Jahren genauso aussehen und funktionieren, nämlich mit einem Elektromagnet.Auch dieses Handwerk will gelernt sein, Anfänger üben auf Tierhäuten oder, in Japan, auf sich selbst.
Zum Entfernen von unerwünschten Tattoos nahm man früher verdünnte Ameisensäure, mit der das Bild nach-gestochen werden mußte. Heute kann man die Haut auch abschleifen, was aber Narben ergibt. Die Lasertechnik ist so weit entwickelt, daß man Tattoos mittlerweile restlos und fast schmerzfrei entfernen kann. Diese Methode ist allerdings noch sehr teuer. Die beste Lösung ist wahrscheinlich das Übertätowieren, wobei man in der Regel keine Rückstände des alten Tattoos sieht.
Da Tätowieren nicht nur ein Handwerk ist, sondern auch künstlerisches Talent erfordert, sollte man sich vorher genau erkundigen, wie die einzelnen Tätowierer arbeiten. Ein guter Ruf über die Stadtgrenzen hinaus, Alkohol-, Rauch- und Drogenverbot im Laden und errungene Preise auf Tattoo-Conventions sind immer ein gutes Zeichen.
Einige Künstler haben Weltruhm: in den 50er Jahren war es Doc Forbes in Vancouver, in den 60ern Les Skuse in Bristol, jetzt sind es u. a. Henk Schiffmacher (Amsterdam), Kazuo Oguri (Tokio), Roger Ingerton (Wellington, NZ), Michael Malone (Hawaii) und Leon Zulueta (San Francisco).
In Amsterdam und San Francisco gibt es außerdem größere Tattoomuseen.
Tätowierungen spielen auch in Literatur und Film eine immer größere Rolle. Das wohl bekannteste Buch ist "Der illustrierte Mann" von Ray Bradbury, erwähnenswerte Filme sind "Irezumi - die tätowierte Frau" aus Japan, "American Yakuza" von Frank Capella oder Lee Tamahoris Maori-Drama "Once were Warriors".



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